Bildung über Grenzen hinweg: Unsere Erasmus-Bildungsreise nach Porto

Im Rahmen eines Erasmus-Projektes ging es für uns gemeinsam mit zwei Leitungsteams unserer Häuser, unserer Kita Heureka und des Naturkindergartens Treptow, nach Porto!

Die Reisegruppe posiert vor dem Ortsnamen "Porto" in blauen Buchstaben.

Vielfalt, Sprache und Teilhabe prägen unsere pädagogische Arbeit in jeder Kita und in jedem Familienzentrum. Umso gespannter waren wir, als wir uns im Rahmen eines Erasmus-Projekts gemeinsam mit zwei Leitungsteams unserer Häuser, des Naturkindergartens Treptow und der Kita Heureka, auf den Weg nach Porto machten. Als frühere Leitung beider Einrichtungen und heutige Geschäftsleitung war diese Reise für mich eine besondere Gelegenheit, unsere Konzepte mit den Erfahrungen anderer Fachkräfte zu spiegeln und neue Impulse für unsere gemeinsame Arbeit mitzunehmen.

Die Gruppe steigt eine Treppe in der Bibliothek hoch. Auf jeder Stufe ist eine Zeile portugiesischer Text.

Lernen über Bücher und Sprache: Eine Bibliothek als Stadtteilzentrum

Ein erster großer Eindruck war die Bibliothek in Porto. Sie steht der gesamten Familie zur Verfügung und ist weit mehr als ein Ort zum Ausleihen. Eher wirkt sie wie ein Stadtteilzentrum mit dem klaren Fokus auf Bildung über Bücher und Sprache.

Besonders beeindruckt hat uns das Angebot für werdende Eltern: In Kursen für Schwangere erhalten sie Informationen rund um Entwicklung und Begleitung. Dabei wird auch vermittelt, wie Kinder vom ersten Tag nach der Geburt sprachlich und durch Bücher begleitet werden können. Sprachbildung beginnt hier also nicht erst in der Kita, sondern in den Familien, lange bevor ein Kind eine Einrichtung besucht.

Zugleich zeigte die Bibliothek, wie vielfältig Zugänge zu Sprache sein können. Eltern können online kostenfrei mehrere tausend Bücher ausleihen und digital lesen. Ein integriertes Atelier lässt Bücher durch Kunstwerke der Kinder lebendig werden, und Bilderbuchtheater verbindet Literatur, Spiel und Gemeinschaft. So entsteht ein Raum, in dem Sprache, Kreativität und Begegnung zusammenkommen.

Ein zentraler Baustein ist das ViaS-Programm (Vorlesen in allen Sprachen). Vorleseveranstaltungen richten sich an alle Familien, unabhängig von Herkunft und Sprache. Bilder, Geräusche und die kreativen Arbeiten der Kinder machen Geschichten auch für Kinder und Erwachsene verständlich, die sich sprachlich noch nicht sicher bewegen. So wird Vorlesen zu einem gemeinsamen Erlebnis, das Sprache über alle Sinne erfahrbar macht.

Diese Erfahrung wollen wir in unseren Häusern stärker im pädagogischen Alltag verankern. Geschichten sollen lebendig werden, etwa durch Bilder, Klänge und Mitmachelemente, und die Bücher, die wir zum Ausleihen ausstellen, sollen durch Gestaltung und Angebote mehr Leben bekommen

Eine Säule in einemgroßen Raum ist dekoriert mit diversen Kinderzeichnungen.

Inklusion im Alltag: Gezielte Förderung, volle Zugehörigkeit

Bei unseren Besuchen in Kitas und Schulen hat uns vor allem beeindruckt, wie Kinder mit erhöhtem Förderbedarf gezielte Unterstützung erhalten und dennoch selbstverständlich Teil des Alltags sind. Förderung und Zugehörigkeit schließen sich hier nicht aus, sondern gehen Hand in Hand.

Diese Haltung ist für unsere Arbeit und für die inklusive Sprachbildung in Kita und Vorschularbeit von großer Bedeutung. Wir nehmen mit, dass Inklusion dann gelingt, wenn Förderung im Alltag verankert ist und nicht als Sonderprogramm neben den Kindern steht.

Ein Regal mit verschiedenen Ressourcen zu unterschiedlichen Themen.

Montessori-Kita: Selbstständigkeit und Materialkultur

Besonders nachhaltig hat uns eine Montessori-Kita inspiriert. Die sorgfältige Auswahl der Materialien und die Selbstständigkeit der Kinder waren beeindruckend. Kinder entscheiden, womit sie sich beschäftigen, üben sich in Konzentration und lernen, Verantwortung für sich und ihre Umgebung zu übernehmen.

Drei Kolleginnen stauen über den großen bunten Eingangsbereich einer Kita

Schulcampus: Gemeinschaft, Lernfreude und Vielfalt

Getrennt davon durften wir einen riesigen Schulcampus kennenlernen. Die Einrichtung dort wurde uns von den Lehrkräften als recht alt beschrieben. Was wir vor Ort sahen, war jedoch ein sehr verbundenes Team und eine Atmosphäre, die Spaß am Lernen macht und eine Vielzahl an Möglichkeiten bietet.

Ein Thema verband uns mit unserem eigenen Standort: die pädagogische Arbeit mit Tieren. Ähnlich wie bei uns hat sie dort einen festen Platz. Darüber hinaus wurde deutlich, welch hohen Stellenwert soziales Lernen einnimmt. Dieser Aspekt hat uns besonders angesprochen, weil er zeigt, dass Gemeinschaft und Lernen untrennbar zusammengehören.

Die Gruppe posiert vor einer Präsentation zu Eduplay in einem Konferenzraum

Wissenschaft im Dialog: Das EDUPLAY-Projekt

Den Abschluss bildete der Besuch einer Universität für Erziehungswissenschaften und Pädagogik. Dort stellte man uns ein Projekt vor, das gemeinsam mit weiteren europäischen Städten umgesetzt wird. Im Mittelpunkt stehen Forschungen zu Freispiel und Spiel sowie daraus abgeleitete Erkenntnisse: Wie wichtig Spielen für Kinder ist und welche Rolle Lernbegleitung dabei übernehmen kann.

Das Projekt EDUPLAY (Promoting High-Quality ECEC through Education and Play in All Day Settings) wird im Programm Erasmus+ Teacher Academies 2024 gefördert. Sechs Partner aus fünf Ländern (Zypern, Griechenland, Portugal, den Niederlanden und Litauen) entwickeln gemeinsam ein innovatives Fortbildungsprogramm für angehende und praktizierende pädagogische Fachkräfte. Es verbindet wissenschaftliches Wissen, inklusive pädagogische Praxis und die Anpassung an lokale Gegebenheiten. Ziel ist es, die Qualität der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung zu stärken und Lernumgebungen zu schaffen, die die Bedürfnisse und Rechte von Kindern ernst nehmen.

Dieser Ansatz deckt sich stark mit unserem eigenen Verständnis: Spiel ist ein zentraler Zugang zur Welt.

Wir sind dankbar, dass wir durch Erasmus diese bereichernde Bildungsreise machen konnten. Sie hat uns gezeigt, wie viel wir voneinander lernen können, und sie motiviert uns, unsere Arbeit für Kinder und Familien weiterzuentwickeln.

An unserem letzten Abend haben wir konkrete nächste Schritte überlegt, wie wir die Zusammenarbeit beider Häuser stärken, unsere Einrichtungen noch inklusiver gestalten und auch das Familienzentrum weiterentwickeln können.

Fröbel ist für die Erasmus+ Förderperiode 2021–27 akkreditiert. Das Erasmus+ Programm ermöglicht Fröbel-Beschäftigten, sich mit Fachkräften innerhalb Europas auszutauschen, Neues zu lernen und die eigene Expertise weiterzugeben. Ganze Teams und einzelne Fachkräfte können in einer Kita in einem anderen Land hospitieren und freuen sich, andere Kulturen zu erleben. Fröbel steht im Gegenzug auch als Erasmus+ Partner für Besuche in Deutschland zur Verfügung.

www.froebel-gruppe.de/erasmus

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